30 Oktober 2007

Die Letzten kriechen ins Ziel...
Alle Anderen am nächsten Morgen aus dem Bett...

Links, rechts, links, rechts. Mein Kopf dreht sich hin und her. Wie an einem Tennismatch. Hopp, hopp, heya, bravo. Heya Ruedi, Gogger, Zöri, Joe, Wali, Benno, und wieder ein anderer Benno, Irma, Stefan, Renate, Andrea, und nochmals eine Andrea, Mire, Dani, Bettina, Claudia, Manuela, René, Nicole, Rita, und und und. War das nicht, ähm, wie heisst sie auch nur? Schau, da rennt sogar, ähm, weisst du, der... Doch wo sind bloss Pez und Bäbu? Der Pacemaker mit der Tafel 4.5 Stunden joggt locker mit einer Traube Läufer an uns vorbei. Immer noch kein Pez und Bäbu in Sicht. Langsam fangen wir trotz Bise an zu schwitzen. Der Besenwagen ist bereits in Sicht. Und rollt im Schritttempo hinter den letzten Läufer her. Haben wir Pez und Bäbu tatsächlich verpasst?

Ja, wir haben sie verpasst. Früher als erwartet traben sie zum Glück später nicht mehr ganz frisch, aber fröhlich ein zweites Mal über die Seebrücke. Wieder in Richtung Verkehrshaus. Und wieder zurück über die Seebrücke. Auf die zweite Schlaufe um die Horwer Halbinsel. Dank unseren Velos können wir mit ihnen einigermassen Schritt halten. Und sie auf der Strecke nochmals anfeuern. Hopp, bravo, super, heya, heya. Gewaltige Leistung, probier es durchzuziehen, Greng ache u seckle, läck bobi, mega stark! Wir motivieren und unterstützen, wo wir nur können. Manchmal ist unsere Motivation zwar eher demotivierend. So zum Beispiel bei Kilometer 35, als wir rufen, es ist nicht mehr weit, hi, hi.

Unsere Marathon-Frischlinge Pez und Bäbu bestehen ihre Feuertaufe mit Bravour. Pez kämpft auf den letzten Kilometern zwar nicht nur mit Muskelschmerzen. Nein, im Schlusssprint überholt er sogar haarscharf den 4-Stunden-Pacemaker mit der ganzen Läufertraube. Auch Bäbu hat zu kämpfen. Weniger mit seiner Hüfte, dafür umso mehr mit den in Horw startenden Walking-Frauen und ihren spitzen Stöcken.

Mit nigelnagelneuen Laufschuhen und seit letzten Juli zwei Stunden Lauftraining an den ersten Marathon. Oder Beginn der Laufkarriere mit bald sechzig Jahren. Eins haben Pez und Bäbu gemeinsam. Beide haben sich nicht freiwillig für den Lucerne Marathon angemeldet. Bäbu haben wir vor einem Jahr die Startliste mit seinem Namen drauf zum Geburtstag geschenkt, ups. Und Pez startete „gezwungenermassen“ für seinen „verletzten“ Bruder Prögu. Die Leistungen von Pez und Bäbu sind darum etwas Besonderes. Nochmals recht herzliche Gratulation an den jung gebliebenen „alten“ Mann und den gstabig gewordenen „jungen“ Mann, der am Morgen nach dem Marathon wie ein „alter“ Mann aus dem Bett kroch...

Die Letzten kriechen ins Ziel. So lautete die Schlagzeile vor einer Woche in der Luzerner Zeitung. War wohl etwas übertrieben. Denn der Letzte joggte mit einem Lachen auf dem Gesicht und unter tosendem Applaus vor dem Besenwagen ins Ziel. Auch Bianca Sissing hatte den Besenwagen im Nacken. Und ich glaube nicht, dass sie auf allen Vieren durchs Ziel kroch. Aufgeschürfte Knie und Hände wären wohl in der Modelbranche nicht unbedingt von Vorteil. Oder haben die Organisatoren deswegen auf den letzten 100 Metern einen blauen Teppich ausgelegt?

Keine Kommentare: