Trans Rockies - Abenteuer pur
Morgen frueh. 5.30 Uhr. Tagwache. Temperatur 0 bis 5 Grad Maximum. Morgenessen mit Faserpelz und Langlaufmuetze. Handschuhe haben wir leider keine mit dabei. Im Fress- oder Esszelt raucht nicht nur das Wurstbuffet. Unser Atem koennen wir bei diesen Temperaturen um den Gefrierpunkt sehen. Butter und Honig sind bockhart. Mit Bikern aus 27 verschiedenen Laendern essen wir scrambled eggs, Wuerste, Pancakes mit Ahornsirup und Hamburger vom Vorabend. Mmmhhhh.
7.45 Uhr. Startaufstellung. Die warmen Kleider in den Taschen verpackt. Wir fast nackt. Temperatur hoechstens 1 Grad waermer.
7.50 Uhr. Die Anspannung steigt. Das letzte Mal die Schuhschnallen anziehen. Computer nullen. Ein Schluck aus der Flasche. Erster Druck auf der Blase.
7.55 Uhr. Song Highway to hell. Lautstark aus dem Lautsprecher. Gegner beobachten und einschaetzen. Haben sie grosse Augenringe?
8.00 Uhr. Startschuss zum 300-Meter-Sprint! Koennte man als Zuschauer meinen.
8.10 Uhr. Erste Ermuedung von Haasi. Und erste (von noch vielen folgenden...) Pinkelpausen von Pez!!!
8.30 Uhr. Erster Schneefall. Warme Jacke natuerlich in der Tasche auf dem Weg zum Zielort.
9.00 Uhr. Erste Flussdurchquerung (kein Bach!!!!). Haasi und Pez mit dem Bike auf dem Ruecken. Haasi leider nur bis zur Flussmitte. Das Wasser bis zum Hals. Oder Bauch. Pez schon wieder an Land. Die Stroemung reisst. Haasi schreit. Bike ins Wasser. Oder Haasi ins Wasser. Oder beide ins Wasser? Pez wieder zurueck ins Wasser. Und wieder mit dem Bike von Haasi aus dem Wasser. Schlussendlich auch Haasi wieder an Land. Wir wussten nicht, dass man am Trans Rockies auch schwimmen muss... Filmschau nach dem Abendessen. Gleiches Zenario. Aber zum Glueck mit anderen Darstellern.
9.15 Uhr. Triathlon am Trans Rockies. Die Schwimmstrecke haben wir hinter uns. Jetzt kommt die Laufstrecke. Und Biketragestrecke. Ueber Stock und Stein. Meistens fast ueberhaengend. We love hiking. Oder doch lieber biking. Unsere Schuhe sehen schon nach ein paar Tagen aus, als ob sie der Baer in der Schnorre gehabt haette. Obwohl, Baeren haben wir noch keine gesehen...
9.30 Uhr. Wandertrail wird immer steiler. Haasi bekommt langsam Hoehenangst. Pez rackert sich mit 2 Bikes ab. Oben 50 Teams. Unten 250 Teams. Wir mittendrin. Und ploetzlich Chaos. Die Fueherenden kommen uns ueber den Schotterabhang zu Fuss entgegengeschlittert. It's the wrong way!!! Die Langsameren freuts. Und biegen vor allen Schnelleren rechts in den richtigen Singletrail ab. Die Zeit der Koenigsetappe am 2. Tag wird deshalb nicht gewertet.
10.00 Uhr. Schlammloecher. Singletrail durch Urwald. Schlamm bis zu den Knien. Kein Problem. Der naechste Fluss folgt sobald.
10.30. Erste flache Highway-Strecke. Pez gibt Gas. Und Haasi laesst hintendrein nicht mehr los. Kommt von da der Name lass Pez nicht los?
11.00 Uhr. Wir ueberholen die irren Iren. Haasi schnauft wie ein Ross. Und der Ire fragt sie (ebenfalls schnaufend) tell me about Switzerland? Bes ruig und fahr wiiter.
11.30 Uhr. Schon wieder tschaggen. Alle. Auch die schnellen Italiener. Gesponsert von Olympia-Sport. Aber wohl nicht von Husi.
12.00 Uhr. 4 Stunden im Rennen. Und schon 20 Kilometer geschafft, juhuiii!
12.30 Uhr. Die Fluesse fliessen noch immer. Unser Schweiss auch. 35 Grad. Das Wasser ist inzwischen Erfrischung pur und Kneipp-Kur dazu.
13.00 Uhr. Die nicht enden wollenenden groben Singletrails sind fuer den ganzen Koerper eine Tortour. Im von den Kanadiern heiss geliebten Rockgarden mit kopfgrossen Steinen laufen wir unseren Bikes wegen lieber. Am Abend sprechen alle nur vom Rockgarden. Haasi ist ehrlich und outet sich als Angsthase. Doch als sie unsere Zeit sehen, machen sie grosse Augen. Du laeufst ja schneller als wir fahren, hi, hi.
13.30 Uhr. Landschaft und Berge wunderschoen. Singletrail immer noch nicht fertig. Erste Teams buessen fuer ihr hohes Anfangstempo. Auch das nichts Neues.
14.00 Uhr. Meistens schon fast im Ziel. Ausser am 3. Tag. Beim Time Trail. Ein Zeitfahren ueber 48 Kilometer und 1600 Hoehenmeter auf groebstem Singletrail. Ist kein Witz. Los Pezos startet um 14.12 Uhr. Eine Minute hinter dem in der Gesamtwertung vor uns rangierte Team. Peep peep peep. Wie beim Skirennen. Und los gehts. Pez Vollgas voraus. Haasi hintendrein. Verwinkelt gehts durch die Waelder. Sehr ausgesetzt an einem Canyon entlang. Nicht alle Hollaender finden das lustig. Zu unserem Glueck. Uebrigens, der Bruder von Bart Brentjens, Clas Brentjens, faehrt auch mit.
14.30 Uhr. Ziel erreicht. Keine Baeren gesehen. Nur einmal fast. Aber beim genauen Hinschauen waren es dann doch Kuehe.
17.00 Uhr. Duschen im Truck. Bikewash. Regidrink. Taschenschleppen. Zelt suchen. Schlafsack trocknen. Dehnen. Hamburger essen. Cola drinken. Noch ein Hamburger essen. Smalltalk mit Gegnern. Small, weil alle Englisch sprechen. Telefonieren ist nicht moeglich. Zeltstadt steht mitten in der Wildniss. Weit weg von jeglicher Zivilisation.
18.00 Uhr. Faserpelz wieder montieren. Kappe anziehen. Nachtessen mit Kartoffeln, Fleisch (bei den Kanadiern nicht wegzudenken) und Salat. Kein Dessert!!!
20.00 Uhr. Siegerehrung ohne Los Pezos. Zweimal haarscharf daneben. Fotos und Film vom Tag. Los Pezos viel mit dabei. Meistens von hinten abgebildet. Fuer interessierte Sponsoren auch mit laengeren Namen: Da waere noch viel Platz vorhanden. Siehe Fotos vom Rennen unter
www.danhudson.ca21.00 Uhr. Pez im Pyjama und Haasi im Faserpelz in den nigelnagelneuen Daunenschlafaecken. Diese Investition hat sich gelohnt.
22.30 Uhr. Pez chraggelt muehsam aus dem warmen Schlafsack. Pinkelpause...
05.30 Uhr. Erneute Tagwache.............
3 x 7 = 21
21 Bike- und Rennvelorennen haben wir bestanden. Good job... So wurden wir am Trans Rockies 100 mal angefeuert. Well done. Wir sind stolz und freuen uns auf unsere Ferien. Wir koennten noch so viel erzaehlen. Ueber neue Freunde aus New Zealand, Polen (ein Pole glich Stuecku aufs Haar), Rumaenien, Holland, Suedafrika, Australien oder Irland. Aus Deutschland haben wir am Trans Rockies nur einen kennengelernt. Er ist vor Jahren nach Hong Kong ausgewandert.
4 x 7 = 28 Ideen schwirren schon wieder in unseren Koepfen herum. Trans Sardinia, Trans Carpatia, Crocodile Trophy, La Ruta in Costa Rica oder ein woechiges Bikerennen in New Zealand vom Meer in die Berge. Wir kriegen einfach nie genug.
Uebrigens. 3 Monate hat uns unser treuer VW-Bus Max durch Europa begleitet. Aber Max wollte nicht nach Hause. Und streikte. Und verlor Wasser und Oel. Und weilt zurzeit noch in den Ferien beim Automech in Scuol. Aber auch hier in Kanada sind wir nicht von Pannen verschont. Auf dem Transfer von Calgary zum Startort des Trans Rockies genossen wir mehrere Stunden auf dem Seitenstreifen des Highways. Zusammen mit den Italienern. Den spaeteren ueberlegenen Gesamtsiegern.
Trotz Todesangst immer noch kein Grizzly gesehen. Es gruessen herzlich Los Pezos.
Pez, der angeschossene Grizzly auf dem Baenkli und Haasi, der Angsthase